Stand:
Diese Artikel nur nach Absprache mit mir weiterverwenden.
An dieser Stelle möchte ich in einige Artikel, die ich für das Vereinheft unseres Aquarienvereins geschrieben habe, veröffentlichen:
1. Gedanken zur Wasserpflanzenpflege - Teil 1
2. Gedanken zur Wasserpflanzenpflege - Teil 2
3. Fahrt zur Messe Duisburg
Die Pflege von Wasserpflanzen kann uns von Zeit zu Zeit schon einige Kopfschmerzen bereiten. Verschiedene Pflanzen wachsen sehr gut, andere gut und einiger Arten wollen überhaupt nicht richtig wachsen, verkümmern oder gehen schliesslich ganz ein.. Hat man mehrere Becken lässt sich u.U. beachten, das Wachstum in jedem Becken ist unterschiedlich gut oder das die gleiche Pflanze in einem Becken sehr gut wächst, im anderen gar nicht. Woran kann es nun genau liegen? Oder ist die Frage an sich falsch gestellt? Sollte es nicht besser heissen:
Welche Bedingungen brauchen unsere Aquarienpflanzen?
Meiner Meinung nach sind folgende Rahmenbedingungen wichtig:
- Bodengrund - Licht - Wasser.
Zum Wasser möchte ich mich in diesem Beitrag nicht äussern, da ich nun wirklich kein Chemiker bin. Verweisen möchte ich an dieser Stelle auf ein Standardwerk der Aquaristik:
Hanns-J. Krause - Handbuch Aquarienwasser vom bede-Verlag.
Das der Wasserwechsel obligatorisch ist und ebenfalls
Nährstoffe für unsere Pflanzen zuführt, wird sicher jedem bekannt sein.
Kommen wir zum Bodengrund. Die Farbe ist wohl für das Wachstum der Pflanzen belanglos, kann
aber Einfluss auf das Wohlbefinden der Fische haben. Die Art des Bodengrundes spielt hier schon,
auch im Zusammenhang mit der Pflege des Aquariums, eines bedeutende Rolle.
In unserer Region wird oft der feinkörnige, sehr nährstoffhaltige Spreesand verwendet. Hier lässt sicht
Mulm gut absaugen, da er nicht tief in den Bodengrund eindringen kann. Andererseits ist auch die
Wasserzirkulation im Bodengrund stark eingeschränkt. Es kann zur Faulstellenbildung kommen. Diese
Fäulnisprozesse entziehen den Aquarium sehr viel Sauerstoff und müssen auf jeden Fall vermieden
werden. Dies kann durch periodisches Reinigen mittels eines Schlammhebers oder einer Mulmglocke
erreicht werden. Jedoch gilt auch hier: nicht übertreiben.
Einen andere Möglichkeit ist der Kauf von Aquariensand oder Aquarienkies im Fachgeschäft.
Preiswerter ist in jedem Fall der Besuch einer Kiesgrube. Wählt man feinen Sand aus dem Fachhandel
gilt sinngemäss das zum Spreesand gesagte, nur Nährstoffe sind hier natürlich nicht enthalten. Bei Kies
können kleine Körnungen, bis 3 mm, oder grober Kies verwendet werden. In beiden Fällen erzielen
wir eine bessere Bodengrunddurchströmung und damit einen Transport von Sauerstoff sowie
Nährstoffen. Natürlich kann hier mehr Mulm, Kot etc. in den Bodengrund eindringen, so dass etwas
Pflege unsererseits notwendig ist. Die Bodengrunddurchströmung bringt also die Vorteile des
Nährstofftransports und einer verbesserten Bakterienflora. Dieser Effekt lässt sich durch eine
Bodenheizung noch wesentlich verstärken. Nicht wie oft geschrieben wird, die "warmen Füsse" der
Pflanzen sind der eigentliche Gewinn sondern die Durchflutung des Substrates. Eine einfachere
Variante ist das Anbringen der Vorschaltgeräte direkt unter dem Aquarium. Auch hier wird die
Wärmeabstrahlung zu einer Wasserzirkulation, einer Erwärmung des Bodengrundes und des Wassers,
also auch zu Einsparung von Energie führen.
Weiterhin wichtig ist ein Bodengrundzusatz. Beim allseits beliebten Spreesand kann anfänglich auch
darauf verzichtet werden. Stellvertretend möchte ich hier einige Zusätze nennen. Bodengrunddepots
sind von verschiedenen Hersteller erhältlich. Einige Beispiele sind. Laterit, Lehm sowie Dünge-Kugeln
oder -Tabletten. Beim Einsatz dieser Depots sollte auf keinen Fall mengenmässig übertrieben werden,
um später nicht ratlos einer Algenplage gegenüber zu stehen.
Wichtig ist in jedem Fall auch die Höhe des Bodengrundes. Nur 4 oder 5 cm Substrat sind in jedem
Fall zu wenig! Hier sind 8 oder besser 10 cm Bodengrund angebracht, um den Pflanzen ein gutes
Milieu anzubieten.
Abschliessend möchte ich meine bisherigen Erfahrungen vergleichend zusammenfassen. Nachdem ich
die wesentlichen oben aufgeführten Kombinationen ausprobiert habe werde ich in Zukunft die Variante
feinkörniger Kies, bis 3 mm, vermischt mit einem Bodengrundzusatz bevorzugen. Dafür reicht schon
guter Lehm aus. Jedoch ist auch hier kritisch anzumerken, das Lehm nicht gleich Lehm ist. Sollte der
Nährstoffgehalt des Bodensubstrates aufgebraucht sein kann leicht nachgedüngt werden
Das Becken mit Kiesbodengrund und Bodenzusatz steht bei mit schon ca. ein Jahr länger als das mit
Spreesand und Lehm gefüllte Aquarium. Das Pflanzenwachstum ist immer noch hervorragend.
Natürlich habe ich auch hier von Zeit zu Zeit etwas gedüngt, sowohl im Boden als auch im Wasser.
Anders ist es bei der Kombination Spreesand-Lehm, hier ist das Pflanzenwachstum zur Zeit deutlich
langsamer. In nächster Zeit werde ich hier noch einige Versuche mit verschiedenen Bodendüngern
machen. Vielleicht gibt es auch hier noch neue Erkenntnisse. Den feinkörnigen Kies werde ich jedoch
aufgrund der besseren Bodendurchflutung verwenden.
Bei der Änderung von irgendwelchen Grössen im Aquarium gilt es jedoch immer Geduld zu haben,
wenn nötig auch einmal 3 bis 4 Wochen. Wichtig ist es natürlich auch nicht zu viele Faktoren auf
einmal zu ändern. Sonst weiss man später nicht mehr welcher Einflussgrösse das neue Pflanzenwachstum
wirklich zu verdanken ist. Am Ende ist man genauso schlau wie vorher und die Probiererei geht munter
weiter. Nicht zu vergessen sind natürlich auch an die anderen wichtigen Rahmenbedingungen, wie z.B.
die Lichtverhältnisse. Darüber werde ich im zweiten Teil dieses Artikels schreiben.
Im ersten Teil habe ich ein paar Gedanken über den Bodengrund niedergeschrieben. Seit dem ist wieder eine geraume Zeit verstrichen und die eine oder andere neue Erkenntnis kam hinzu oder wurde noch einmal Überdacht. Zum Thema Spreesand möchte ich anmerken, das durch eine Kombination von Spreesand und feinem Kies, bis etwa 3 mm, auch kostengünstig ein guter Bodengrund erzielt werden kann. Wird nur der feine Spreesand verwendet ist die Bodendurchflutung eingeschränkt, insbesondere bei der Verwendung einer Bodenheizung. Nimmt man noch etwas Lehm hinzu kann meiner Meinung nach auf den Einsatz der kostenintensiven Bodengrunddepots verzichtet werden. Jetzt aber zum eigentlichen anliegen die Beitrages - der Aquarienbeleuchtung. Auch hier möchte ich anfangs wieder zwei empfehlenswerte Standardwerke der Aquarienliteratur nennen, die gleichzeitig auch Quellen für die Tabellen sind:
H.-J. Krause - Handbuch Aquarientechnik und D. Knop - Aquarienbeleuchtung.
Für eine ordentliche Planung der Aquarienbeleuchtung ist es von Vorteil einmal kurz die natürlichen Verhältnisse unter die Lupe zu nehmen. Zunächst einmal ist Licht nicht gleich Licht. Es besteht aus verschiedenen Strahlungen. Aquaristisch interessant ist die UV-Strahlung und die elektromagnetische Strahlung, das sichtbare Licht. Untersucht man das sichtbare Licht, Spektralanalyse, weiter kann man feststellen das es verschieden Wellenlängen und Lichtfarben gibt. Angefangen von violett über blau nach rot. Nicht alle Lichtfarben haben einen gleich hohen Nutzen für unsere Aquarienpflanzen. Das blaue Licht, mit sehr hoher Farbtemperatur bis 30.000 Kelvin und sollte der Meeresaquaristik vorbehaltensein. In Süsswasseraquaristik kommt es bei zu starken blauen Lichtanteilen oft zu lästigem Algenwachstum. Blaues Licht wird jedoch trotzdem von den Pflanzen für die Photosynthese benötigt. Es bewirkt ein zum Licht hin wachsen der Pflanzen. Grünlich-gelbes Licht ist das Sehlicht des Menschen, für unsere Aquarienpflanzen hat es keine grössen Auswirkungen. Erst das orange und vor allem das rote Licht, mit niedrigen Kelvinwerten um 2000-3000 Kelvin, wird wieder für die Photosynthese benötigt. Es bewirkt Zellstreckung und Zellvergrösserung also das Wachstum unserer Pflanzen.
| Licht | Farbtemperatur [Kelvin] |
|---|---|
| Sonnenlicht - morgens / abend | 3000 |
| Sonnenlicht - mittags | 6000 |
| Glühlampe | 2000 |
| HQI - Tageslicht | 5600 |
| HQI - Blau | bis 20000 |
| Halogenlampe | 3000 |
| Leuchtstofflampe - neutralweiss | 4000 |
| Leuchtstofflampe - Tageslicht | >5000 |
| Leuchtstofflampe -warmweiss | 3000 |
Für eine gute Farbwiedergabe von Fischen und Pflanzen spielt neben dem Farbspektrum des Leuchtmittels auch der Farbwiedergabeindex eine Rolle. Die höchste Qualität stellt der Index 1A dar. Spektrum und Farbtemperatur hängen jedoch eng zusammen. Eine Lichtquelle mit nur wenigen Spektralanteilen wird keine gute Farbwiedergabe ermöglichen, da das Farbensehen ja eigentlich durch Absorption der Spektralanteile entsteht. Somit ist es also nicht ganz unwichtig welche Lichtquelle in welcher Ausführung wir verwenden. Auf die Spektralverteilung des Leuchtmittels ist ebenfalls zu achten. Hier ist auch eine Kelvinangabe des Lampenherstellers sehr nützlich. Aquaristisch besonders geeignet sind Farbtemperaturen von 5000-6000 Kelvin. Dabei muss man wissen, das die endgültige Farbtemperatur das arithmetische Mittel über den gesamten Spektralbereich ist. Das heisst eine Lampe mit n u r roter u n d blauer Strahlung hat eine ähnliche oder gleiche Farbtemperatur wie eine Röhre mit n u r grün-gelben Licht. Beide sind jedoch nicht unbedingt geeignet. Entscheiden sollte man sich für eine Lampe mit ausgewogener Spektralverteilung und mässigen Spitzen im blauen Bereich sowie höheren Spitzen im roten Bereich
Am preiswertesten und weit verbreitet für Aquarien bis 50 cm Höhe sind die Leuchtstoffröhren. Hier gibt es viele Anbieter mit den unterschiedlichsten Röhrentypen. Vollspektrumlampen sind hier den sogenannten Dreibandenlampen vorzuziehen, da sie wie der Name schon sagt das gesamte Lichtspektrum abstrahlen. Eine rot-blaue Lampe wie z.B. Gro-Lux oder Fluora, früher Lumoflor genannt, ist also nicht oder besser nicht allein geeignet. Am günstigsten ist es mehrere Lampentypen zu kombinieren. Durch die Kombination verschiedener Röhren kann man Nachteile im Spektrum einzelner Lampe ausgleichen. Für das Pflanzenwachstum günstig ist es alle 10 cm Aquarientiefe eine Leuchtstoffröhre anzubringen. Für ein 40 cm tiefes Becken wären das also 3 Leuchtstoffröhren. Eine mögliche Kombination könnte aus einer Gro-Lux- und zwei Tageslicht- oder warmweissen Röhren bestehen. Die Gro-Lux als erste Röhre eingesetzt bringt die Farben der Fische, insbesondere rot und blau, besser zur Geltung.
Für höhere Becken sind HQL- oder HQI-Leuchten besser geeignet. Sie haben zwar gegenüber den Leuchtstoffröhren eine etwas niedrige Lichtausbeute, jedoch eine wesentlich höhere Leuchtdichte aufzuweisen. Da die Lichtausbeute mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt kommt am Boden nicht mehr genug Licht an. Anders gesprochen, halbiert man die Entfernung zur Wasseroberfläche erhält man die vierfache Beleuchtungsstärke.
| Lampentyp | Lichtausbeute [lm/W] | Leuchtdichte [Candela/cm2] | Farbwiedergabe [R] nach DIN |
|---|---|---|---|
| Glühlampe | 10-15 | - | - |
| Leuchtstoffröhre | 65-95 | 0,8-1,5 | 1A-2B(3) |
| HQL-Lampe | 40-65 | 4-10 | 2B-3 |
| HQI-Lampe | 55-80 | 1500-8000 | 1A-2B |
Für welche Variante man sich entschiedet ist nicht zuletzt eine Frage des Geldbeutels. HQI-Lampen sind in der Anschaffung wesentlich teuerer als einer HQL-Leuchte, meiner Meinung jedoch besser geeignet. HQI-Lampen haben eine ausgeglichenes Spektrum über den gesamten Spektralbereich. Wählt man einen Tageslichtbrenner mit 5000-6000 Kelvin erhält man ein optisch sehr gutes Licht unter dem die Pflanzen sehr gut wachsen. Damit wir uns hier nicht falsch verstehen, die Pflanzen wachsen auch unter HQL-Licht, nur ist das Spektrum dieser Lampen recht dürftig. Die Farbwiedergabe ist im Gegensatz zur HQI-Lampe eingeschränkt.
Im Gegensatz zu den natürlichen Verhältnissen, mit Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, beleuchten wir unser Aquarium in den meisten Fällen mit einer konstanten Lichtmenge über die gesamte Zeit. In der Zeit des Sonnenauf- und Sonnenuntergangs kommt es zu erheblichen Lichtverlusten durch Reflexion. Während mittags fast alles Licht im Wasser ankommt, steigt die Lichtreflexion zum Abend/Morgen hin bis zu etwa 30% an. Es kommt also nicht das volle Sonnenlicht bei den Pflanzen an. Verfügt man über getrennt schaltbare Leuchtmittel, kann man die natürlichen Verhältnisse nachahmen und dabei noch die Haushaltskasse schonen. Auch ein Regentag pro Woche ist nicht verkehrt und schadet den Pflanzen nicht. Schliesslich scheint auch in der Natur nicht ständig die Sonne.
Neben der Wahl des Leuchtmittels ist auch der Standort des Aquariums wichtig. Etwas Sonnenlicht am Morgen oder am Abend wirkt sich immer positiv auf den Pflanzenwachs aus. Auch hier gilt die Natur ist durch nichts zu ersetzen. Nur zuviel Sonnenlicht sollte es nicht sein. Algen sind schliesslich auch Natur.
... wird fortgesetzt.
Literaturquellen / Literaturhinweise: