Der Tanganjikasee und seine Tropheus-Arten

Stand: 13.11.2005

Der Tanganjikasee

Unten ist auf einer Karte der Tanganjikasee, die Heimat der Tropheusarten dargestellt. Die Tiere leben hier endemisch, kommen also nur hier vor, abgesehen natürlich von den vielen Aquarien der Tropheus-Liebhaber überall auf der Welt ;-)
Die obere Grenze des Sees ist nur ca. 3 Grad (oder 360 km) vom Äquator entfernt, der See ist 676 Kilometer lang und maximal 72 Kilometer breit. Er liegt 773 Meter über dem Meeresspiegel und zählt an seiner tiefsten Stelle rund 1370 Meter. Damit ist er nach dem Baikalsee der zweitgrößte Süßwassersee der Erde. Seine Gesamtfläche beträgt 32900 Quadratkilometer, also fast ein Zehntel der Fläche Deutschlands. Anrainerstaaten sind Burundi, Tansania, Sambia und Kongo.



Die Oberflächentemperatur liegt zwischen 24 - 28 Grad, in den tieferen Wasserschichten ist es nicht wesentlich kälter. Das Wasser des Tanganjikasees gilt als hart (GH 7-11, KH 16-18 Grad), der pH-Wert des Sees schwankt zwischen leicht alkalisch bis stark alkalisch (> 7.0 und < 9.0). Der Aquarianer sollte daher ähnliche Wasserwerte in seinen Aquarien anstreben. Zumindest der pH-Wert muss dauerhaft über der Neutralgrenze liegen.
Die Tropheus-Arten leben in Küstennähe, genauer in der Fels- und Geröllzone und bevorzugen maximale Wassertiefen von 10-15 Meter, dabei gibt es Unterschiede zwischen den Jungfischen, die von ihren Mütter in die Brandungszone entlassen werden, und den Alttieren der verschiedenen Arten. Während der Tropheus moorii - Formenkreis die oberen Wasserregionen besiedelt hat, trifft man Tropheus duboisi und teilweise auch Tropheus polli in den tieferen Regionen.

Artenvielfalt

Bei der Klassifizierung bzw. Einteilung der Tropheus sind inzwischen weitere Fortschritte gemacht worden. Peter Schupke beschreibt in seinem Buch Afrikanische Buntbarsche II - Tanganjika I - Tropheus die Einteilung in 13 verschiedene Linien, einschließlich Tropheus duboisi.  


Diese Einteilung basiert auf gentechnischen Untersuchungen und ist somit erstmals absolut schlüssig. Damit hat der Liebhaber die Möglichkeit Kreuzungsprobleme im Aquarium weithestgehend zu umgehen. Am besten sucht man zur Vergesellschaftung Arten bzw. Populationen möglichst weit von einander entfernt lebender Linien aus. Auf keinen Fall sollten Populationen aus der gleichen Linie vergesellschaftet vwerden. Tropheus duboisi bzw. T. polli lassen sich problemslos mit allen anderen Tropheus-Populationen vergesellschaften.

Zwei vor dieser Zeit weit verbreitete Einteilungsvarianten möchte ich hier noch der Vollständigkeit halber vorstellen.

  1. Die erste Variante ging von damals 6 Arten beschrieben Arten aus, die als die Tropheus-“Grundarten“ anzusehen waren. Damals hiess es "in der Zukunft ist sicherlich noch mit einer differenzierteren Unterteilung zu rechnen" Wie recht man damals hatte. Im einzelnen waren folgende Arten beschrieben:

    • Tropheus moori (Beschreibung 1898 durch Boulenger)
    • Tropheus annectens (Boulenger 1900)
    • Tropheus duboisi (Marlier 1959)
    • Tropheus brichardi (Nelissen & Thys van den Audenaerde 1975)
    • Tropheus kasabae (Nelissen 1977)
    • Tropheus polli (Axelrod 1977)

    Weiterhin hieß es:" Da sich durch die endemische Verbreitung im See viele benachbarte Lokalrassen, trotz der an sich vorhandenen Gebietstreue, über die Jahrtausende untereinander vermischten, sind heute wesentlich mehr Varianten und Farbschläge als diese sechs Arten bekannt. Diese zählen fast alle zur Familie der Tropheus moori, da sie, wie schon erwähnt, bisher nicht weiter unterteilt wurden. "

  2. Eine weitere, nicht von der Hand zu weisende, Einteilung ist von Ad Konings in seinen Büchern Cichliden-Jahrbuch - Band 4 und Tanganjika-Cichliden in ihrem natürlichen Lebensraum aufgestellt worden. Diese Variante fand ich zur damaligen Zeit die plausibelste, da Ad Konnings auf viele eigene Beobachtungen, Forschungen am See und nicht zuletzt auf seinen wissenschaftlichen Sachverstand zurückgreifen konnte. Gentechnische Untersuchungen stand ihm bis dato sicher nicht oder nicht in vollem Umfang zur Verfügung. Die Einteilung lautete:


    • Tropheus moorii, mit Tr. kasabae als Synonym
    • Tropheus annectens, mit Tr. Polli als Synonym
    • Tropheus duboisi
    • Tropheus brichardi
    • Tropheus sp. black
    • Tropheus sp. red
    • Tropheus sp. mpimbwe
    • Tropheus sp. ikola

    Schlüssig war diese Einteilung dahingehend, das die von Konings eingeteilten Arten/Varianten zum Teil sympatrisch, also nebeneinander, im gleichen Lebensraum vorkommen ohne sich untereinander zu kreuzen. Teile davon sind in der neuen Linieneinteilung bestätigt worden.


Eine Auswahl von Tropheus-Cichliden

Bezeichnung 

Synonyme

Beschreibung

Fundort

Kachese (red)

Gelber von Sambia, Stirnstreifen-, Goldregenbogen-Moori

Herrlich gefärbte Variante, die leider selten zu finden sind. Unter dem Namen „Kachese red“ ist eine in noch kräftigerem Rot gefärbte Variante erhältlich.
Die Nachtzucht soll sehr produktiv sein, die Aggressivität hält sich nach eigenen Beobachtungen eher in Grenzen.

Cape Cachese, Südwestküste (Sambia)

Mupulungu

Orangefleck-, Sunset-, Lemon-, Papagei-Moori

Auffälliger, selten gänzlich orange gefärbter, Körperfleck auf der Seite. Die Jungfische sehen wegen ihres gepunkteten Kopfes (Südrassen typisch) ganz besonders niedlich aus.

Südostküste (Sambia)

Bemba

Orange-Streifen, Orange-Moori

Die Tiere lassen sich deutlich an ihrem mehr oder weniger ausgeprägten orange-roten ca. 3 cm breiten Farbband im mittleren Bereich erkennen, welches sich bis in die Rückenflosse zieht. Dabei sind die Männchen meist durchgängiger gefärbt.

Bemba am Cape Munene, Nordwestküste (Kongo)

Bulu-Point

Kirschfleck-, Doppelfleck-Moori

Eine sehr beliebte Art, die durch lebhaftes Auftreten und herrlich leuchtende Farben beeindruckt. Bei diesen innerartlich aggressiven Fischen empfiehlt sich ein deutlicher Weibchen-Überhang.

Zentrale Ostküste (Tansania)

Ikola

Kaiser (I)-Moori

Durch die auffällige breite, leuchtend gelbe Binde, die relativ stimmungsunabhängig ist (außer unterlegene Tiere, die sich innerhalb von Sekunden umfärben können), eine sehr beliebte und schöne Art zur Vergesellschaftung.

Ikola, zentrale Ostküste (Tasania)

Kiriza

Kaiser (II)-Moori

Der leuchtend gelbe (Weibchen) / orange (Männchen) Streifen ist in der Breite nicht so ausladend wie bei Ikola, sondern entspricht eher der Bemba-Variante.

Kiriza, Nordwestküste (Kongo)

Kasanga

„Red Rainbow“, Rote Regenbogen-Moori

Eine der farbenprächtigsten Arten der Tropheus-Familie, die es sowohl mit blauer Rückenflosse (Kala-Variante), als auch mit roter Rückenflosse (Kasanga) seit wenigen Jahren im Handel gibt.

Kasanga, Südostküste (Tansania)

Duboisi „maswa“

Gelbbinden-Weißpunktbarsch

Auffälligstes Merkmal ist die „niedliche“ Pünktelung der Jungfische, die immer etwas so aussehen als würde sie die Pünktchen-Krankheit bald dahinraffen. Mit zunehmendem Alter weichen die Punkte einer ca. 2 cm breiten gelb/weißlichen Binde.

Ostküste (Tansania)

Rutunga

Brabant-Moori, Burundi-Variante

Der Ursprungs-Moori (Brabantbuntbarsch), ein sehr stimmungsabhängiger roter Streifen mit einem keilförmigen gelb/weißen Fleck im oberen Teil zeichnet diese, etwas aus der „Mode“ gekommenen Fische aus. Die Art zeigt sich aggressiv und ist nur in großen Gruppen auf Dauer im Aquarium vergesellschaftbar.

Rutunga, Cape Magara, Nordostküste (Burundi)

Ilangi

Keine

Der gesamte Körper ist in einem Farbenspiel zwischen tiefrot (Rückenflosse und Kopf) und orange (Seite) gefärbt, relativ friedliche Art, die sich von „Raufi's“ wie Mupulungu unterbuttern läßt.

Nkamba Bay, Südwestküste (Sambia)

Chipimbi

Schwanzstreifen-, Moliro-Moori

Diese Variante besticht durch eine glühenden Farbfleck vor der Schwanzflosse. Auch die Rückenflosse und die Wangen können tiefrot leuchten (vergleichbar Kachese red).

Moliro, Cape Chipimbi, Südwestküste (Sambia/Kongo)

Gabelschwanz

Wimpel-Moori (Tropheus polli)

Eine mal ein wenig anders aussehende Art, die gerade wegen ihrer Unauffälligkeit eine willkommene Abwechslung für jedes Tropheus-Becken bietet. Allerdings ist die Art, die nach ihrer weit eingekerbten Schwanzflosse benannt wurde, als äußerst aggressiv beschrieben.

Bulu Point, Ostküste (Tasania)

Lufubu

Keine

Es wird vermutet, dass es sich nur um eine etwas veränderte Farbvariante des „Blauen Regenbogen-Moori“ handelt. Die Tiere haben einen deutlich höheren Rotanteil im Kopf und in der Dorsale.

Zwischen Cape Chaitika und dem Lufubu-Fluß

Chilanga red

Grün-Roter Moori

Die Tiere haben einen rotbraunen Kopf, eine rote Dorsale und eine honiggelbe bis goldrote Körpergrundfärbung. Sie zeigen sicher innerartlich aggressiv, was den Kampf der Männchen untereinander angeht, sind aber auch zu sehr kleinen Jungfischen gleichgültig gestimmt.

Nkamba Bay Lodge

Chipimbi

Schwanzstreifen-Moori, Mossi, Katete Moori

Ein sehr farbenprächtiger Moori, der durch den auffälligen roten Farbfleck im Bereich des Schwanzstiels besticht. Auch ein Anreiz dürften die leuchtend roten Augen sein.

Grenzgebiet zwischen Sambia und Kongo